Nach intensiver Planungs- und Umsetzungsphase konnten drei gesteuerte Horizontalbohrungen erfolgreich abgeschlossen werden – mit beeindruckenden Längen von 644 m, 647 m und 652 m. Die Arbeiten fanden im Rahmen eines Abschnitts des Großprojekts SuedLink statt und markieren einen weiteren wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur Energiewende.
Was ist SuedLink?
SuedLink ist eines der zentralen Infrastrukturprojekte für die Energiewende in Deutschland. Ziel ist der Transport von Windstrom aus dem Norden in die südlichen Bundesländer, wo der Energiebedarf hoch, aber das Stromangebot aus Erneuerbaren vergleichsweise gering ist.
- Zwei Erdkabelsysteme mit je 2 GW Leistung
- Über 700 km Trassenlänge
- Verbindung der Netzverknüpfungspunkte Brunsbüttel/Wilster (Schleswig-Holstein) mit Leingarten/Grafenrheinfeld (Baden-Württemberg/Bayern)
- Trassierung überwiegend erdverlegt – also ohne Freileitungsmasten
Unser Beitrag in Form dieses Bohrabschnitts stellt eine technische Schlüsselstelle dar, insbesondere durch die Unterquerung sensibler Infrastruktur (Straßen, Gewässer) bei gleichzeitig schwieriger Geologie.
Vom offenen Graben zum gesteuerten Vortrieb
Was heute wie ein durchgeplantes Hightech-Projekt wirkt, war ursprünglich als offener Grabenbau geplant. Aufgrund der sensiblen Lage unterhalb einer Bundesstraße und des Flusses galt das Vorhaben jedoch als technisch äußerst riskant.
Viele Unternehmen zögerten, sich an diese komplexe Herausforderung zu wagen. Die geologischen Rahmenbedingungen – stark gespaltener Fels, hohes Spülungsverlustpotenzial, abriebintensive Schichten galten als kaum beherrschbar.
Doch wir haben uns entschieden, es trotzdem anzugehen. Mit der notwendigen Ingenieurskompetenz, fundierter Planung, robuster Technik und einer Portion Mut.
„Wir haben die Expertise und den Mut, dorthin zu gehen, wo andere nicht graben wollen.“
Tomasz von Janta Lipinski - Geschäftsführer
Diese Entscheidung war der Wendepunkt: Aus dem klassischen Graben wurde ein gesteuerter Horizontalbohrabschnitt – mit einer technologischen Tiefe und Präzision, die neue Maßstäbe setzt.
Geologische Rahmenbedingungen
Die geophysikalische Analyse zeigte eine stark zerklüftete Gesteinsstruktur mit steil einfallenden, unregelmäßigen Klüften. Es dominierten Sandsteine und Schluffsteine mit einer Druckfestigkeit zwischen 20–60 MPa. Die Formationen wiesen folgende Besonderheiten auf:
- Hohe Abrasivität der Sandsteine
- Spaltbildung in Tonen und Schiefern
- Verflüssigung von Tonen und Mergeln beim Kontakt mit der Spülung
Diese Bedingungen bedeuteten ein erhöhtes Risiko für:
- Werkzeugverschleiß und -bruch
- Spülungsverluste und Migration in Klüfte
- erhöhten Planungsaufwand bei Zeit, Materiallogistik und Steuerung
- Umweltrelevante Einflüsse (z. B. unkontrollierter Spüleintrag)
Technischer Überblick
Die Bohrungen wurden mit dem ParaTrack II System (inkl. PWD-Messung) präzise gesteuert. Zum Einsatz kamen:
- Pilotbohrung: Mud Motor 6 ¾” mit 9 7/8” Bit (IADC 537)
- Aufweitung: Rollwerkzeug „Hole Opener“
- Verlegung: HDPE-Rohre 280 mm und 315 mm, ergänzt um Mehrfachleitungen (4×50 mm + 1×20 mm)
Projektspezifikationen im Überblick:
- Eintritts-/Austrittswinkel: 15° / 15°
- Überdeckung: 17 m, TVD: 23 m
- Keine Azimutänderung, konstante Trassierung
- Unterquerung von: Bundesstraße & Fluss
- Bohranlage: Prime Drilling 150 / 65+